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Konnten Ammoniten womöglich richtig schwimmen ? Nein, das konnten sie sicher nicht. - Unter Ammoniten versteht man eigentlich nur die Schalen bzw. Steinkerne dieser ausgestor- benen Tiere. Außer Hartteilen, also den Schalen und Aptychenklappen, gibt es keine sicheren Reste. Es ist leider auch unbekannt, welche Bedeutung die Schale für das lebende Tier hatte. Als Leitfossilien haben sich Ammoniten wegen häufigen Vorkommens und rascher Wandlungsfähigkeit in der Stratigraphie bestens bewährt, d.h. bei der relativen zeitlichen Einordnung von Gesteinsschichten. Dafür sind nähere Kenntnisse über die Natur dieser Tiere nicht erforderlich. Wenn man allerdings Aussagen zur Ökologie ehemaliger Meeresgebiete anhand von Ammoniten gewinnen will, ist es unumgänglich zu wissen, ob diese Tiere in der Wassersäule oder am Boden lebten. Deshalb habe ich untersucht, welche objektiven Erkenntnisse aus den ungeheuren Mengen überlieferter Reste abge- leitet werden können. Bis in die achtziger Jahre hatte kaum jemand daran gezweifelt, dass Ammoniten schwimmen und schweben könnten. Alle Merkma- le der Schale wurden in einen Zusammenhang mit dem Schwebevermögen gezwängt. Ich hätte sie auch gerne schwimmen lassen, doch die Fakten standen dem entgegen. Bei kritischer Bewertung aller Befunde hätte man schon längst darauf kommen können, dass sie samt und sonders Bodenbewohner waren und sich somit kriechend fortbewegen mussten. Neue Erkenntnisse in der Wissenschaft stießen immer schon auf kleingeistige Widerstände konservativer Vertreter; die Existenz Schwarzer Löcher oder Vorstellungen zur Kontinentaldrift wurden lange und doch vergeblich bekämpft. Warum sollte es mir anders ergehen? Die neuen Vorstellungen zur Lebensweise von Ammoniten setzen sich nun aber doch langsam und unaufhaltsam durch.
Das Bild oben zeigt eine ganze “Herde” kriechender Ceratiten in natürlicher Generationenstruktur im Diorama des Naturkundemuse- ums Schleusingen in Thüringen. Ich habe es von Herrn Siegfried Rein. Zu zuverlässigen Aussagen kann man nur gelangen, wenn man gänzlich unvoreingenommen an die Untersuchung der Lebensweise herangeht. Unterschiedliche Methoden können dabei benutzt werden. Ich bin u.a. durch exakte Berechnungen mit Hilfe der schon vor 2000 Jahren von Archimedes gefundenen Regeln der Hydrostatik zu anderen Ergebnissen gekommen als es manche Paläontolo- gen vermuteten. Siegfried Rein hat mit einer anderen Vorgehensweise die gleichen Ergebnisse erhalten. Frühere Vorstellungen waren laienhaft, nicht naturwissenschaftlich begründet. Die Sache mit dem Auftrieb ist für viele Paläontologen bis heute ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. So sank nach Aussage von Herrn Prof. Keupp das Gehäuse erst zu Boden, wenn der Weichkörper ver- gammelt war. Solange der Körper im Gehäuse steckte, war noch Auftrieb da. Fossilienjägerlatein, über das man nur lachen kann. Paläontologen stehen vor dem Dilemma, nicht erklären zu können warum die Schalen der schwimmenden Ammoniten nach Verlust des Weichkörpers nicht aufstiegen, sondern trotzdem auf den Boden gelangen und einsedimentiert werden konnten. Da müssen sie schon etwas zaubern. Sie sind halt in erster Linie nur Sammler, die im Gegensatz zu Privatsammlern für Museen sammeln, darüber hinaus letzteren aber kaum etwas voraus haben. Ammoniten und ihre Lebensweise begannen mich zu interessieren als ich meinen Bruder 1974 beim Besuch einer Tongrube beglei- tete. Er war schon damals ein begeisterter Sammler und ist es auch heute noch als Leiter der Naturkundegruppe in Bünde. Das Sammeln fand ich dann zwar auch sehr schön und unterhaltsam, doch auf die Dauer nicht so recht befriedigend. Schon bei meinem ersten Fund, einem Macrocephalites aus dem Wittekindflöz nahe der Porta Westphalica, begann ich zu grübeln, was für Tiere Am- moniten wohl gewesen sein könnten, wie sie gelebt haben und warum ihre Schalen so anders aussehen als die des rezenten Nauti- lus. Ich wollte dann immer mehr über Ammoniten wissen und hoffte, anhand eines besonderen Fundes einen untrüglichen Hinweis auf die Natur des Weichkörpers zu ergattern. Das gelang mir erst viel später ansatzweise bei den Heteromorphen. Der Weichkörper ist leider gänzlich unbekannt, Aussagen dazu sind spekulativ. Trotzdem können aus Merkmalen der Schale wie etwa Wohnkammerlänge, Windungsquerschnitt, Einrollungsgrad sowie weiteren Erscheinungen der Schale wichtige Erkenntnisse zu physikalischen Eigenschaften des Gehäuses und damit zur Lebensweise abgeleitet werden. Dann zeigt sich, dass Ammonitentiere sicher nicht schweben konnten. Im Gegensatz zu Nautilus, der sowieso nur ein sehr entfernter Verwandter ist, waren sie dafür zu schwer und aus weiteren Gründen wie der Lagestabilität und der Gehäuseausrichtung ungeeignet. Unter günstigen Umständen konn- ten leere Schalen gelegentlich, aber nicht generell, nach der Verwesung des Tieres an die Oberfläche aufsteigen und an Strände oder in Lagunen verdriftet werden. Anfangs war ich auch noch von traditionellen Vorstellungen beeinflusst und musste lange nach einem gangbaren Lösungsweg für die Ermittlung der Lebensweise suchen. Erst später wurde mir klar, dass viele Vorstellungen gar nicht naturwissenschaftlich begründet sind und auf reiner Spekulation beruhen. Ebenso wie interessierte Sammler gehen Paläontologen im allgemeinen voreingenommen an die Problematik der Lebensweise heran. Eigentlich stehen sie dieser Aufgabe ganz hilflos gegenüber. Es werden nicht alle verfüg- baren Beobachtungsergebnisse beachtet, sondern immer nur solche, die in das bevorzugte Konzept passen könnten. Seit den frü- hen Anfängen der Paläontologie vor ca.150 Jahren ist kein entscheidender Fortschritt geglückt. So schwer wäre das eigentlich gar nicht, doch es fehlt das analytische Denken, das kritische Abwägen des Für und Wider eines Gedanken. Meistens werden sogar nur Glaubensbekenntnisse geäußert; man ist der Meinung, man ist überzeugt, man hält es für vernünftig und wahrscheinlich usw., dass Ammoniten schwimmen und schweben konnten, allein es fehlt an der Substanz solcher Äußerungen. Man stützt sich immer noch gern auf den rezenten Nautilus. Alles was bei Paläontologen über die Beschreibung von Fossilien hinausgeht, ist mit Vorsicht zu genießen. Leider wird bei Publi- kationen häufig nicht professionell gearbeitet, und wissenschaftliche Standards werden bewusst missachtet. So hat mir kürzlich etwa Herr Dr. G. Schweigert leichtfertig und unredlich fehlerhafte Berechnungen unterstellt, und das nur, weil meine Ergebnisse ihm bei oberflächlichen Spekulationen über die Funktion des Aptychus nicht ins Konzept passten. Er vermutete, dass ein mit Aufsiedlern bewachsenes Aspidoceras mit Aptychen und Andeutungen von Weichteilresten in der Wohnkammer lebend in den Bereich der oberjurassischen Plattenkalke geschwommen sei. Wie alle früheren Kritiker meiner gut begründeten Vorstellungen auch (G. Wester- mann und seine Anhänger schwimmender Ammoniten) musste er einen objektiven Beweis schuldig bleiben. Eine Behauptung ohne Beweis ist aber wissenschaftlich nichts wert. Ich würde mich jedenfalls schämen, einen guten Bekannten in dieser miesen Art und Weise zu kränken und seine Glaubwürdigkeit anzugreifen. Immerhin : Viel Feind, viel Ehr! Sollen diese Experten in ihren Kreisen ruhig weiterhin spekulieren, Evolution und Tatsachenbeweise ignorieren, sich ein phantasti- sches Bild von der Vorwelt machen, an den Weihnachtsmann glauben und meinetwegen auch daran, dass die Erde eine Scheibe ist! Auf dieser Ebene liegen leider immer noch vertretene Ansichten unbelehrbarer Paläontologen. Sie beschränken sich darauf, ihre Glaubensbekenntnisse zu den unterschiedlichen Vorstellungen abzulegen, ohne einen konstruktiven Beitrag oder gar Beweise liefern zu können. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig. Die Anwendung von Ingenieurswissenschaften und möglichst genauen Berechnungen führt zu eindeutigen Ergebnissen. Anfang 1982 habe ich meine neu gewonnenen Vorstellungen bodenbezogener Lebensweise im Anschluss an einen Vortrag im Steigenklub, der damals noch im “Waldhorn” in Plochingen tagte, während der anschließenden Diskussion eingebracht. Die anwesenden Paläon- tologen Prof. Adolf Seilacher und Ulf Bayer ließen sich von meinen Argumenten zumindest beeindrucken und luden mich zu einem weiteren Gespräch nach Tübingen ein. Nach diesem Gespräch habe ich dann ein Computerprogramm zur Berechnung wichtiger hydrostatischer Eigenschaften der Ammonitenschale geschrieben, und die Ergebnisse wurden 1983 mit Unterstützung von Herrn Dr. G. Dietl publiziert. Auf einem Symposium im September 1983 in Tübingen wurde erstmals darüber berichtet. Das schon im Vorfeld geäußerte große Interesse von G. Westermann an diesen Ergebnissen zielte leider wohl nur darauf ab, wie sie am besten niederzu- machen wären. Glücklicherweise gelang ihm das nicht, und er musste sich später auf Polemik beschränken. Aus meinen Überlegungen zur ontogenetischen Entwicklung heteromorpher Formen abgeleitete Prognosen zur Ontogenie von Gas- tropodenschalen konnten inzwischen von Checa & Jiménez-Jiménez (1997) durch seitlich an wachsende Schalen von planorbiden Schnecken angebrachte Zusatzgewichte und als Folge davon deformierte Gehäuse experimentell bestätigt werden und erhalten da- durch zusätzliches Gewicht. |
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